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Diskussionsforum in Erfurt

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Experten diskutierten über Chancen und Perspektiven der deutsch-russischen Beziehungen.

"Wir lernen die Menschen nicht kennen, wenn sie zu uns kommen, wir müssen zu ihnen gehen, um zu erfahren, wie es mit ihnen steht."

Johann Wolfgang von Goethe

 

 

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Rund 100 engagierte Teilnehmer folgten der Einladung der Deutsch-Russischen Freundschaftsgesellschaft in Thüringen e.V. und versammelten sich am 23. April 2015 im Kulturforum Haus Dacheröden auf dem Erfurter Anger zum Forum:

"Quo vadis Deutschland und Russland? 70 Jahre nach der NS-Herrschaft – Erwarten wir frostige Zeiten? Zu den Perspektiven der deutschen Russlandpolitik."

Führende Experten waren eingeladen, um über die Ursachen kontroverser Wahrnehmung Russlands in Deutschland und die Perspektiven der zivilgesellschaftlichen Möglichkeiten im Verhältnis zur Russischen Föderation auszuloten.

Podium1 Podium2 <<<Lupe

Dr. Martin Kummer begrüsste den ehemaligen Botschafter in Moskau, Dr. Ernst-Jörg von Studnitz, den Universitätsprofessor und Publizisten Prof. Dr. Johannes Grotzky, den politischen Berater Dr. Valeri Machartschenko aus Moskau (MGUO) und den Wiener Korrespondenten für russische Medien, Herrn Igor Belov.

Eingangs begründeten die Diskutanten ihren Standpunkt zur aktuellen Russlandpolitik. In seinem Statement ging Botschafter a.D. Dr. von Studnitz auf die Rolle Russlands ein. Er halte die Sanktionen gegen Russland vor allen Dingen wichtig als politisches Signal und wenn es auf russischer Seite ein Einlenken gäbe, wozu immer noch die Möglichkeit besteht, indem man zurückkehrt zu den Vereinbarungen von Minsk betreffend den Osten der Ukraine könnte der Druck der Sanktionen gemindert werden.

In der internationalen Politik wird Russland gebraucht, so sagte er, denken wir an den Irak-Krieg, denken wir an den Syrien-Konflikt, denken wir an die Iran-Atomverhandlungen, denken wir an das Problem Nordkorea; da sind ja so viele Probleme in der Welt, wo man Russland wirklich benötigt. Insofern wäre es kein Gewinn für die Friedensordnung in der Welt, wenn Russland als einer der wesentlichen Akteure ausfiele.

Viel Beifall erhielten Prof. Grotzky und Igor Belov als sie auf die Sorgen eingingen, die auch die russische Seite im Verhältnis zu Deutschland und Europa bewegen.

„Ich bin Russland-Versteher. Ich möchte verstehen, warum sich Russland so und nicht anders in vielen Fragen entscheidet“, merkte Prof. Grotzky an. „Und wenn man gerade überzeugt ist, dass der russische Präsident eine große Bedeutung hat, muss man ihn erst recht verstehen. Das heißt, man muss lesen, was er sagt, man muss sich damit auseinandersetzen. Man muss nicht alles gut finden.

Der andauernde Bürgerkrieg in der Ukraine wirft Fragen über Wahrheit und Deutungshoheit, Krieg und Frieden, internationales Recht und die Staatenordnung auf, die auch vom Publikum an die Gesprächspartner gestellt wurden.

Welche Rolle spielen historische und innenpolitische Aspekte in der Ukraine und Russland? Welche Auswirkungen hat das Geschehen auf die Bundesrepublik, das europäische Staatensystem und die Rolle Russlands in einer zunehmend multipolaren Weltordnung? Welche Auswirkungen hat die Krise in der Ukraine und Russland jenseits von Europa? Welche politischen und ökonomischen Folgen lassen sich mittel- und langfristig absehen?

Welche Partner sind für Moskau attraktiv und für wen ist Moskau von Interesse? Welchen Einfluss hat die aktuelle Situation auf die Beziehungen zwischen Russland und China?

Igor Belov verwies auf die geopolitischen Faktoren und Einflüsse. Die USA fürchten ihre Einflusssphären in Europa an andere Gegenspieler zu verlieren.

Zahlreiche Fragen aus dem Publikum richteten sich auf die Verantwortung der Presse über ihre Berichterstattung und über das Positive in den deutsch-russischen Beziehungen, was leider oft unterbeleuchtet bleibt.

Russland und vor allem Präsident Wladimir Putin werden von den westlichen Medien weiterhin häufig als Gefahr dargestellt, so der russische Journalist Igor Belov weiter. Eher spiegelt sich darin der allgemeine Negativtrend der Mainstream-Presse wider. Journalisten verstehen sich „als Wachhunde“, die mit einer grundkritischen Position jeden Missstand aufzudecken suchen und dabei oft von der in den Redaktionen geltenden, amtlichen politischen Meinung beeinflusst sind. Es hilft nichts,  stets zu versuchen den Russen das westliche Demokratieverständnis aufzuzwingen. Die primitive Formel: Hier die "Guten" im Westen und da die "Bösen" im Osten - wird der Realität des friedlichen Zusammenlebens im 21.Jahrhundert nicht mehr gerecht.

Die kritischen Einstellungen zu Russland ergeben sich allerdings auch aus alten Ängsten, bitteren Kriegserfahrungen, aus dem Misstrauen vor Russland als dem "Nachfolger der UdSSR".

Dr. Valeri Machartschenko aus Moskau ging auf Vertrauen und Verlässlichkeit in der Politik ein und nannte Beispiele für eine verantwortungsvolle Zusammenarbeit beider Länder.

Nach spannenden zwei Stunden konnte man resümieren, dass sich alle Teilnehmer ein größeres gegenseitiges Verständnis wünschen und den freundlichen Vertrauensaufbau zwischen beiden Ländern gutheißen würden. Die Zivilgesellschaften beider Länder spielen dabei eine grosse, nicht zu unterschätzende Rolle. Das Forum, so fügte Dr. Kummer an,  ist ein Beitrag der Zivilgesellschaft zum öffentlichen Diskurs ,der u.E. stärker geführt werden sollte.

In seinem Schlusswort erinnerte Dr. Kummer an die Gedenkstunde auf dem Erfurter Hauptfriedhof  am 8.Mai 2015, die gemeinsam von der Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft und dem VVN-Bund der Antifaschisten in Thüringen und der Deutsch-Russischen Freundschaftsgesellschaft in Thüringen  getragen wird.

Das neue Mitteilungsheft unserer Gesellschaft wurde von den Anwesenden mit grossem Interesse aufgenommen.

Text: G.Guttsche
Fotos: R.Duddek

 

Lesen Sie  auch den Beitrag in der Thüringer Allgemeinen vom 09.Mai 2015 - "Der Russlanderklärer" >>>

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